Zum Inhalt dieses Heftes
Wiederum hat eine
stattliche Anzahl von Mitgliedern des Kreisgeschichtsvereins Calw, neun an der
Zahl, die Mühe auf sich genommen, ihre heimatgeschichtlichen Forschungen und
Recherchen für das vorliegende Periodikum Einst & Heute zusammenzustellen und zu
Papier zu bringen. Es ist das 18. Heft dieser reihe, die 1990 von Jürgen Rauser,
dem damaligen Vorsitzenden des Kreisgeschichtsvereins, eröffnet wurde. "Dieser
kleine Almanach", schrieb er damals, "will Themen mit historischem Hintergrund
aus dem ganzen Kreisgebiet ... vorstellen und zugleich dem Anliegen des Vereins,
Forschung und Information zu fördern, gerecht werden". An dieser Zielsetzung hat
sich seither nichts verändert - das damalige Geleitwort gilt heute noch genau
so. Auch das äußere Erscheinungsbild der Hefte ist sich treu geblieben. Ebenso
erstaunlich wie erfreulich ist schließlich die Erfahrung, dass selbst nach 17
Heften die Themen nicht ausgehen.
Herr Dr. Kiefner aus Calw-Altburg, der Nestor der Waldenserforschung, setzt in
diesem Heft den Rückblick auf seine mehr als 40jährigen mühsamen und akribischen
Nachforschungen über die Herkunft und Verbreitung der Waldenser fort, diesmal
anhand seiner genealogischen Recherchen.
Nur wenigen dürfte bekannt sein, dass kurz vor und ganz am Ende der
nationalsozialistischen Herrschaftszeit Wildbad zweimal in unterschiedlicher
Besetzung zum Treffpunkt bedeutsamer politischer (Geheim-)Gespräche bestimmt
war: im August 1931 und im Januar 1945. Vater und Sohn Fritz und Michael Barth
aus Calmbach sind diesen verborgenen Spuren nachgegangen.
Über alte und neue Sägemühlen im Kreis Calw berichtet Otto Großmann aus Höfen.
Dieses bodenständige Gewerbe hat in der waldreichen Gegend des Schwarzwalds auch
heute noch wirtschaftliche Bedeutung; freilich sind, dem Zug der Zeit folgend,
aus vielen kleinen einige wenige große Sägewerke geworden. Aich ist fließendes
Wasser heute im Zeitalter des Elektro- und Dieselmotors nicht mehr erforderlich.
Fremdherrschaften machten sich in früheren Zeiten, wie zu beweisen sein wird,
gern in unsrer nördlichen Schwarzwaldregion breit: Im einen Fall war es die
befristete badische Herrschaft über Altensteig, im anderen Fall das
Benediktinerkloster Stankt Georgen. Dietmar Waidelich und Hansmartin Ungericht
haben sich dieser beiden bisher stiefmütterlich behandelten Themen angenommen.
Die Ungericht'schen Hypothesen über die Tierprojektionen in das lokale Wegenetz
könnten Diskussionen auslösen.
Wer weiß schon, das der 13jährige Schüler Hermann Hesse nach seiner Rückkehr aus
Basel 1890 erst einmal "naturalisiert" werden musste, um sich auf das
"württembergische Landexamen" vorbereiten zu können? Das Calwer Kreisarchiv
birgt heute noch die Akte über diesen Verwaltungsvorgang, unter dem der junge
Hermann Hesse die württembergische Staatsangehörigkeit zurückerwarb. Gregor
Swierczyna, der ehemalige Kreisarchivar, stellt uns, quasi als sein
Abschiedsgeschenk, diese Akte vor.
Mehrere in Stein gemeißelte Inschriften in Stammheim, Althengstett und
Gültlingen machen auf die Steinmetzfamilie Mesle/Mösle/Meßle aufmerksam, die um
das Jahr 1600 in Stammheim gewirkt hat. Horst Roller aus Stammheim unternimmt
es, anhand der wenigen erhaltenen Spuren Licht in diese bisher unbeachtete
Handwerkerfamilie zu bringen.
Zwei kleinere Beiträge befassen sich mit einem bisher verschollenen und eher
zufällig wiederentdeckten Gemälde, das eine Ansicht des Ortes Walddorf bei
Altensteig darstellt (Auto Fritz Kalmbach), Altensteig / Dettingen), und mit
Emma Wuchter (1885-1966), der letzten Hebamme von Gechingen (Fritz Roller,
Gechingen).
Das heft möge den lesern Freude bereiten und Anregungen zu neuen Studien geben.
Hermann Wulzinger
Redakteur
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